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Verhalten bei Rettungen


Hier werden folgende Themen angesprochen:
Grundsätze für eine Rettung
(schnell - richtig - sicher)

1. Grundsatz
Jede Rettung eines Ertrinkenden erfolgt - soweit möglich - vom Ufer (Beckenrand) aus.
Die Möglichkeiten, vom Ufer aus Hilfe zu leisten, sind vielfältig.
  • Zurufen zweckdienlicher Verhaltensmaßnahmen
  • Zuwerfen, zureichen oder zuschieben von Rettungsmitteln, bzw. Rettungshilfsmitteln
  • Herbeiholen, -rufen weiterer Hilfe; Absetzen bzw. Weiterleiten eines Notrufs (Dazu muss jeder in der Lage sein!)

2. Grundsatz
Wenn die Umstände eine Hilfe vom Land aus nicht zulassen, wird grundsätzlich die Rettung mit einem Boot (bzw. Rettungsbrett) durchgeführt.
Hierbei ist von Bedeutung, dass zur Hilfeleistung nach §904 BGB (Notstand) auch ein fremdes Boot verwendet werden darf, sofern dies notwendig ist.

3. Grundsatz
Ist eine Rettung durch Schwimmen nicht zu umgehen, wird grundsätzlich mit schwimmfähigen Hilfsmitteln angeschwommen.
Der unmittelbare Körperkontakt mit dem Ertrinkenden ist unbedingt zu vermeiden, denn jede Umklammerung stellt eine akute, lebensbedrohliche Situation für den Helfer dar, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bewältigt werden kann! Ein Anschwimmen zu zweit (oder mehr), wobei jeder Retter einen schwimmfähigen Gegenstand mit sich führen sollte, erleichtert eine Rettung wesentlich. Wenn möglich, sollte(n) auch der (die) Retter um Hilfe rufen. Zu Hilfe kommende Boote oder andere Schwimmer können den (die) Ersthelfer wesentlich unterstützen.

Ausnahmen (vom 3. Grundsatz)
  • Es sind keine brauchbaren Hilfsmittel in der Nähe und der Ertrinkende befindet sich bereits in der Lähmungsphase und treibt reglos auf dem Wasser oder ist bereits untergegangen.
  • Rettung eines Kleinkindes durch einen Erwachsenen (bzw. körperlich sehr überlegenen Retter); aber Vorsicht! Ertrinkende entwickeln Kräfte, die leicht unterschätzt werden. Außerdem ist beim Ertrinkenden normalerweise das Schmerzempfinden herabgesetzt. Dies stellt eine zusätzliche Gefahr für den Retter dar.
Letztendlich ist es natürlich besser, auch ein nicht schwimmfähiges Hilfsmittel mitzunehmen (z.B. Handtuch, Kleidungsstück usw.), als gar keines. Wegen der zu leicht entstehenden Lebensgefahr für den Retter rät die Wasserwacht, wenn irgend möglich davon ab!

4. Grundsatz
Eine Rettung durch Schwimmen ist zu unterlassen, wenn die Verhältnisse den Versuch aussichtslos erscheinen lassen.

Dies kann z.B. zutreffen

  • Bei hohem Standort des Retters
  • In Stromschnellen und Wildwassern und Sturzbächen mit Geröll
  • In Kanälen mit Stromgeschwindigkeiten von mehr als 3m/s
  • Oberhalb von Wasserfällen und Wehren
  • In Wasserwalzen
  • In Strudeln, vor Turbineneingängen und Rohrfassungen
  • Bei ungenügenden Sicherungsmöglichkeiten
  • Wenn das Verlassen des Gewässers nicht möglich ist
Und
  • Wenn der Retter dem Betroffenen körperlich nicht weit überlegen ist
  • Wenn der Retter sich gesundheitlich nicht wohl fühlt
Hinweis
Das Unterlassen von Rettungen durch Schwimmen entbindet nicht von der Verpflichtung, einen Notruf abzusetzen bzw. Rettungsmaßnahmen von Land aus zu versuchen!

Notruf
Mit dem Notruf meldet der Helfer das Unfallgeschehen den Behörden oder Rettungsdiensten über die dafür vorgeschriebenen Einrichtungen.

Inhalt eines vollständigen Notrufs:
  1. Wo geschah es?
    Möglichst genaue Angabe des Unfallortes
  2. Was geschah?
    Kurze Beschreibung der Unfallsituation
  3. Wie viele Verletzte?
    Angabe der Zahl der Verletzten
  4. Welche Art der Verletzungen?
  5. Warten auf Rückfragen!!!
Merke
Ist außer dem Betroffenen und dem Retter keine weitere Person anwesend und der Notruf kurzfristig nicht absetzbar, geht die Einleitung der Rettung dem Notruf vor.

Vor der Durchführung der Rettung ist zunächst zu prüfen:

  • Ist eine Rettung vom Ufer aus möglich?
  • Ist ein Boot vorhanden?
  • Welches Rettungs(hilfs)mittel steht zur Verfügung?
  • Ist eine Rettung durch Schwimmen erforderlich?
Erst nach Beantwortung dieser Fragen wird die Rettung durchgeführt.


Grundsätzliche Anforderungen an den Rettungsschwimmer

Um bei Ertrinkungsunfällen sicher und gezielt Hilfe leisten zu können, ist auch die Sicherheit des Ersthelfers von Bedeutung. Ruhe und Besonnenheit sind unbedingte Voraussetzungen für jede Hilfeleistung.

Der Rettungsschwimmer muss

  • Schnell und richtig erkennen, was geschehen ist
    Sehen
  • Überlegen, welche Gefahren drohen
    Denken
  • Zielstrebig - unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation - handeln
    Handeln
  • Nach Einschätzung der Lage einen Notruf absetzen, falls dies möglich ist
  • Evtl. Aufgaben delegieren, dabei Passanten gezielt mit einbeziehen


Techniken der Wasserrettung: Rettung vom Ufer aus
Leichter und für den Retter ungefährlicher ist eine Rettung vom Ufer aus.

Möglichkeiten der Hilfeleistung vom Ufer aus:
  • Zurufen von Verhaltensmaßnahmen
    Zurufen
  • Zureichen von Gegenständen z.B.
    Zureichen von Gegenständen
    • Rettungsstange
    • Ast oder andere Hilfsmittel
  • Zuwerfen oder Zuschieben schwimmfähiger Gegenstände, wie insbesondere z.B.
    • Rettungsball (mit oder ohne Leine)
    • Rettungsboje
    • Rettungsring
    • Rettungssack
    • Rettungsleine oder Rettungsschlauch
    • Rettungsbrett oder andere Hilfsmittel
    • Luftmatratzen, Gummireifen, -tiere, usw.
Ufergebundene Gegenstände sind vorzuziehen, da die Gefahr des Abtriebs nicht gegeben ist!
Nach der Rettung sind vom Helfer die notwendigen Erste Hilfe Maßnahmen einzuleiten und die Weiterversorgung des Verunglückten sicherzustellen.


Techniken der Wasserrettung: Rettung durch Schwimmen

Jede Rettung muss überlegt, sicher und zügig durchgeführt werden.
Ein unüberlegtes Hineinspringen ins Wasser nach Hilferufen und / oder andere Anzeichen der Not kann den Retter in unnötige Gefahr bringen und u.U. dazu beitragen, dass die Rettung misslingt. Deshalb soll der akute Notfall sachgerecht beurteilt und erst dann gehandelt werden.

Beurteilung
Entscheidungskriterien können sein:
  • Eigene Situation
    • Reicht meine Ausbildung für eine Rettung aus?
    • Bin ich körperlich / gesundheitlich in der Lage, die Rettung durchzuführen?
  • Situation des Ertrinkenden
    • Ist mein Einsatz im Wasser zur Lebensrettung notwendig?
    • Kann ich auf andere Weise helfen (z.B. Notruf)?
    • Schließt das körperlich / kräftemäßige Ungleichgewicht eine Rettung durch Schwimmen von vorne herein aus?
  • Äußere Umstände
    • Wie ist die Beschaffenheit des Gewässers?
    • Jahreszeit / Wetter ?
    • Welche Rettungs(hilfs)mittel stehen zur Verfügung?
Durchführung
Kommt ein Retter nach Abwägung aller Aspekte zu der Erkenntnis, dass nur eine Rettung durch Schwimmen erfolgreich sein kann, ist folgendermaßen vorzugehen:
  • Hinderliche Bekleidung (z.B. Kopfbedeckung, Mantel, Schuhe, Pullover) ablegen
  • Ein geeignetes (greifbares) Rettungs(hilfs)mittel wählen und mitnehmen (z.B. Rettungsring, Ball, Ast, notfalls ein Kleidungsstück oder eine Leine)
  • Unglücksstelle genau merken
  • Günstigen Ausgangspunkt für eine Rettung aussuchen (z.B. Strömungsverhältnisse beachten)
  • Nicht in unbekanntes Gewässer hineinspringen, sondern vorsichtig hineingehen, dabei abkühlen
  • Mit zügiger, aber kräftesparender Schwimmart dem Betroffenen nähern
  • In ausreichendem Abstand (3-5m) halten und den Zustand des Betroffenen prüfen (Feststellen, ob er Angst hat, ob das Gesicht blau gefärbt und ab er ansprechbar ist)
  • Unter Abwägung von Sicherheits- und anderen Aspekten die Rettung durchführen
Wenn möglich, wird der Ertrinkende an dem Rettungs(hilfs)mittel abgeschleppt und an Land gebracht. In allen anderen Fällen werden Abschleppgriffe (Verletzter bewusstlos oder ruhig und ansprechbar) oder Fesselgriffe angewandt.


Vermeidung von Umklammerungen

Vermeidung
Den Verunfallten in unberechenbarem Zustand nicht mit der Hand berühren. In fortgeschrittenem Stadium ist der Rettung gefahrloser. Dabei immer Vorsicht vor plötzlichem und krampfartigem Zufassen des Betroffenen. Darauf gefasst sein, eine drohende Umklammerung durch geeignete Maßnahmen (z.B. Abstoßen unter Zuhilfenahme der Füße und Abtauchen) zu verhindern. Jede Umklammerung durch einen Ertrinkenden ist zu vermeiden, denn sie kann tödlich enden.

Schutzmaßnahmen
Zu seinem Schutz soll der Retter
  • Dem Betroffenen nie den Rücken zukehren
  • In der Nähe des Betroffenen stets eine Abwehrhaltung einnehmen ( Wassertreten, um Hände frei zu haben)
  • Hände und Füße zu Abwehr- bzw. Rückstoßbewegungen bereit halten
Abwehr
Der Retter soll sich bei drohender Gefahr
  • Mit dem Oberkörper nach hinten werfen und mit den Füßen nach vorne Abstoßen
  • Mit Händen und Füßen ab- bzw. wegstoßen
  • Abtauchen und wegschwimmen
  • Nur von hinten erneut nähern


Rettungsmittel und Rettungshilfsmittel
Rettungsmittel wurde im Gegensatz zu Rettungshilfsmitteln grundsätzlich für den Einsatz bei Rettungen geschaffen. Rettungshilfsmittel erfüllen eigentlich einen Zweck, der nichts mit Rettungen zu tun hat.

Rettungsmittel
Rettungsmittel sind:
  • Rettungsring
    Rettungsring
  • Rettungsball
    Rettungsball
  • Rettungssack
    Rettungssack
  • Rettungsboje
    Rettungsboje
  • Etc.
Rettungshilfsmittel
Rettungshilfsmittel können sein:
  • Ast, Stange, Stock, Leiter
  • Ruderboot
  • Surfbrett, Luftmatratze
Fremdes Eigentum darf zur Rettung benutzt werden!